Silent Hill – ein Erholungsort, an dem Sie sich richtig wohlfühlen werden!

Auf den ersten Blick mag man das bei all den Monstern garnicht denken, aber im Nachhinein denke ich, dass diese Stadt in gewisser Weise doch ein Erholungsort ist.

Auf Angela werde ich nicht weiter eingehen. Meine Gedanken zu ihr hatte ich hier geschrieben.

Eddies Geschichte kam mir irgendwie sehr bekannt vor. Dass jemand wegen seines Aussehens fertig gemacht wird, bekommt man heutzutage in unserer oberflächlichen Gesellschaft nur zu.oft mit. Nichtsdestotrotz fand ich es ziemlich heftig, als er James erzählte, wie man mit ihm umgegangen ist und es wundert mich nicht, dass er einen Hund tötete. Eddie muss in all den Jahren doch solch eine Wut und Aggression aufgebaut haben innerlich, die er irgendwie loswerden musste. Wenn man sein ganzes Leben lang gesagt bekommt, dass man zu nichts gut ist, dass man nur fett, hässlich und dumm sei, was soll dann aus solch einem Menschen werden? Das muss doch irgendwann eskalieren! Ich denke, dass Eddies Geschichte sehr gut zeigt, dass wir uns überlegen sollten, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen sollten. Damit will ich nicht sagen, dass jedes Mobbing-Opfer zu einem Mörder wird. Was sie alle gemeinsam haben, ist das verletzte Innere.

Die liebe kleine Laura... ich fand sie anfangs wirklich sehr nervig, aber ich glaube, sie fungierte letzten Endes als Trigger. Sie war doch sehr provokant zu James, was ihn evtl. dazu zwang, über all das, was geschah, wirklich nachzudenken. Ich hatte mal die Vermutung, Laura hätte James absichtlich in den Raum geschickt, wo sich die Monster befanden. FlintWinston schrieb, dass dem nicht so war – warum nicht, das schrieb er nicht. Ich glaube, dass sie garkeine Monster sah. Wieso auch? Sie ist ein kleines, unschuldiges Mädchen, welches von keinen innerlichen Dämonen befreit werden musste. Die Monster sind ja nicht einfach so in der Stadt. Sie entstehen durch die Personen, die sich in Silent Hill befinden.

James ist eine der faszinierendsten Computerspielfiguren, die ich kenne.
James brachte Mary um, weil sie es sich wünschte und weil er sie auf eine gewisse Art und Weise gehasst hat. Aufgrund ihrer Krankheit konnte James kein „normales“ Leben mehr führen. Ferner war Marys Verhalten wohl sehr ambivalent. Da war gegen Ende dieser lange Gang, wo man sie hat sprechen hören können. Zuerst machte sie James total fertig, er solle doch einfach verschwinden. Im nächsten Moment fängt sie an zu weinen und will ihn unbedingt zurück. Das muss für James alles andere als einfach gewesen sein, damit umzugehen, denn auf der einen Seite will man ja der Person, die man liebt, helfen, aber man wird wieder zurückgewiesen, weshalb ich seinen „Hass“ irgendwie sehr gut nachvollziehen kann. Aber ich kann auch Mary sehr gut verstehen. Auf der einen Seite, wollte sie nicht, dass James sieht, wie sie leidet und wies ihn deshalb von sich, auf der anderen Seite brauchte sie ihn einfach.
Ich erinnere mich noch sehr gut an den Abstieg in der Historical Society, an die unglaublich langen Gänge, die immer weiter nach unten führten, bis man garnicht mehr wusste, wie tief man sich wohl unter der Erde befand. Dass ich mich dann noch in einem Labyrinth befand, machte die Beklemmung perfekt. Ich glaube, dass wir dort immer weiter in das Innere von James vorgedrungen sind. Hinzu kamen diese Monster, die so aussahen wie die aus Silent Hill 3. Es wirkte so, als würden sie nach oben kommen wollen... Vielleicht stehen diese Monster für gewisse unterdrückte Gefühle und Bedürfnisse von James.
Dann kamen wir ja zum Gefängnis und zu den drei leeren Gräbern. Ich glaube, dass alle drei – Angela, Eddie und James – in sich selbst Gefangen waren, Gefangene in ihrem Leid und in deren Illusionen.
Wenn ich an den letzten Kampf gegen sie denke, wirkte sie eine gefallene Heilige. Ihr Gesicht sah ein wenig aus, wie das der Heiligen Maria (Mary-Maria?!), gleichzeitig war sie in diesem Käfig eingesperrt und wirkte total zerrissen von ihren Gefühlen. Vielleicht manifestierte sie sich als Monster, weil James einfach nicht wusste mit ihr umzugehen.
Und dann tauchte Maria auf. „Born from a wish“. Ich glaube, dass Maria nur existierte, weil James es sich wünschte. In Maria idealisierte er Mary. Mary sagte selbst über sich, sie sei hässlich und entstellt worden von ihrer Krankheit, war ans Bett gefesselt. Wenn man ihr Maria gegenüberstellt, wird schnell klar, dass sie das komplette Gegenteil von ihr ist. Maria ist unglaublich attraktiv, aber man konnte kurzzeitig diese Ambivalenz in ihr erkennen. Als wir sie im Keller des Krankenhauses (?) wiederfanden, keift sie James zuerst an, warum er sie einfach alleine gelassen hat und im nächsten Moment wirkt sie total hilflos und will von ihm nicht alleine gelassen werden. Das war er mit Mary erlebte, erlebt James in gewisser Weise mit Maria wieder.
Im Nachhinein hatten auch die drei Tode von Maria einen Sinn, denke ich. Er sah sie zwei Mal durch den Pyramidhead sterben, einmal lag sie tot in der Gefängniszelle. Wenn Maria für ihn praktisch die idealisierte Mary war und sie sterben sah, wurde ihm vielleicht dadurch klar, dass Mary auch wirklich tot ist.
Er musste nach Silent Hill kommen, um zu realisieren, dass Mary tot ist. Er musste realisieren, dass es keine idealisierte Mary gab und ihm musste klar werden, warum sie eigentlich tot ist.
Und genau deshalb liebe ich diese Geschichte von Silent Hill 2 so sehr. Sie ist so tragisch und gleichzeitig wunderschön, denn nach meinem „Im Wasser“-Ende schien es so, dass James Mary trotz allem wirklich die ganze Zeit geliebt hat. Maria war am Ende endgültig tot. Sie kam nicht wieder, James hatte sich vollständig von seinem Phantom abgewandt und konnte der Wahrheit ins Auge sehen.
Man könnte seinen Selbstmord irgendwo als Selbstbestrafung oder Flucht ansehen, aber ich glaube, dass James sich letzten Endes wirklich wegen Mary umgebracht hat, um bei ihr sein zu können.
Silent Hill ist kein schlimmer Ort (im Gegenteil!), dennoch ist die Angst davor nachvollziehbar. Es ist alles andere als leicht, sich seinen eigenen Dämonen zu stellen...




 Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber ich denke, dass das hier nun reicht. Dieses Spiel ist einfach nur wundervoll und ich bin froh, dass ich mich doch getraut hab, dieses Spiel zu spielen. Silent Hill ist in meinen Augen kein Baller- oder ein konventionelles Horrorspiel, es zwingt den Spieler zum Nachdenken. Es fesselt einen so lange, bis man vielleicht versteht, warum was wie ist, wie es einfach ist in diesem Spiel. Und auch lange, nachdem man das Spiel beendete, lässt es einen nicht los. Es hinterlässt etwas in dem Spieler...





Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realität.
- Alfred Hitchcock

Kommentare:

  1. also als erholungsort würde ich silent hill nicht gerade bezeichnen... auch kein nicht schlimmer ort, aber ansonsten kann ich dir weitgehenst zustimmen :) ich hab hier übrigens noch einen sehr interessanten link zur storyanalyse des spiels:

    http://www.silent-hill-historical-society.de/homepage/site/content/Theorie1.html#SH2

    du solltest dir höchstens den part zu silent hill 2 und den chars dazu durchlesen (ich häng an meinem leben und will dich nich u.a. für sh3 spoilern ^^) und auch die endings überspringen sofern du die andern noch erspielen möchtest ;-)


    ich finde es übrigens sehr gut, dass du dich mit den spielen die du lpst noch weiter auseinander setzt. auch dass du schon während den lps in deinen videos über theorien und möglichkeiten philosophierst und auch abundzu mal 'failst' (keineswegs böse gemeint ^^) und nicht wie im schlaf durchrennst gibt einem weniger das gefühl, als wenn du das spielgeschehen einfach moderierst als viel mehr, dass du es mit den zuschauern gemeinsam durchspielst. das wirkt im gesamten sehr autentisch, man merkt richtig dass dir das ganze wirklich spaß macht, und macht es noch unterhaltsamer, dir beim spielen zuzuschaun :)

    AntwortenLöschen
  2. Vielen Dank für deinem Kommentar. :)
    Ich werde mir aber auf jeden Fall NICHT die angegebene Website anschauen, weil ich keine vorgesetzten Theorien kennen möchte, sondern weiterhin mir meine eigenen Gedanken machen möchte und werde. :)
    Mag sein, dass dementsprechend meine Theorien nicht der "Wahrheit" entsprechen, aber das ist ok.

    Silent Hill ist meiner Ansicht nach ein Erholungsort, weil nach der ganzen Prozedur dort die Seelen der Menschen, die dort waren, endlich zur Ruhe kommen können und dann hoffentlich endlich ihren Frieden finden werden. (:

    AntwortenLöschen
  3. es sollte auch eher als ansatz dienen falls es interessiert, aber wahrscheinlich hast du recht, sich seine eigenen gedanken machen ist besser ;) das schöne an dem spiel ist ja, dass es keine "wahrheit" in dem sinne gibt. dafür gibt es viel zu viele metaphern, aspekte, dinge die man deuten kann oder nach dem 5ten mal durchspielen erst merkt. es kommt auch darauf an wie man dieses spiel erlebt, welches ende man (beim ersten mal) erreicht usw. somit ist deine "wahrheit" genau so wahr wie meine oder die von dieser website weil es eben stark vom subjektiven empfinden abhängig ist, wie man die verschiedenen dinge in dieser geschichte interpretiert :)

    AntwortenLöschen
  4. "Wenn ich an den letzten Kampf gegen sie denke, wirkte sie eine gefallene Heilige. Ihr Gesicht sah ein wenig aus, wie das der Heiligen Maria (Mary-Maria?!), gleichzeitig war sie in diesem Käfig eingesperrt und wirkte total zerrissen von ihren Gefühlen. Vielleicht manifestierte sie sich als Monster, weil James einfach nicht wusste mit ihr umzugehen."

    Gehst du hier davon aus das du am Ende Maria bekämpfst? Weil so versteh ich das gerade... und ich selbst bin der meinung gewesen das es Mary war.
    Und ich hoffe du akzeptierst andere ansichten xD weil ich seh Mary zb wie es beim SH Film mit Alessa ist.. das Mary einfach der gute Rest von Maria ist mit dem sie ihm danken will ... aber wer weiss :s - aufjedenfall war ich der Meinung man bekämpft Mary.. vlt lieg ich falsch :x

    AntwortenLöschen
  5. Wie Chris schon schrieb, gibt es keine "wahre Wahrheit". Jeder kann das so interpretieren wie er/sie mag. ;)

    Von daher hab du ruhig deine eigenen Gedanken und Interpretationen dazu.
    Klar akzeptiere bzw. toleriere ich andere Ansichten. Ich wünsche es sogar. Wäre doch langweilig, hätten wir alle die selben Ideen und Gedanken. ^-^

    AntwortenLöschen
  6. Ja ich hab mich mal wieder etwas dumm ausgedrückt - 100 punkte :D xD

    AntwortenLöschen