Gute Ernten und dennoch großer Hunger (Repost für Insane Gothic Lolita)

Das hier ist ein Repost zu einem Blogpost von Insane Gothic Lolita, den ihr hier finden könnt: KLICK.



Sehr interessantes Thema, zu dem du geschrieben hast.
Den Clip vom ZDF habe ich mir mal angeguckt und er war, wie ich es erwartet hatte.

Dass kein Mangel an Getreide herrscht, ist klar.
Du hast angeprangert, dass es nur um das Geld geht und die Gesellschaft des Nordens so gefühlskalt ist. (Ich hoffe, dass ich das richtig verstanden habe.)

Tatsache ist, dass in den Ländern mit niedrigen Einkommen 45% des Haushaltseinkommens für Nahrungsmittel ausgegeben wird, in armen Länder bis zu 80%! Man möge hierbei bedenken, dass in den reichen Ländern nur 12% dafür ausgegeben werden.
Das Problem sind nicht nur die Spekulationen und dass die großen Konzerne auf total viel Geld aus sind.
Ein großes Problem ist erstmal der multinationale Konzern Monsanto, der große Agrarunternehmen fördert und mit genetisch veränderten Organismen versorgt, sodass die Unternehmen für wenig Geld sehr viel Ertrag bekommen und das qualitativ auch noch hochwertig, ergo sie machen riesige Umsätze. (Mehr zu Monsato weiter unten *)

Diese industrielle Beackerung steht im Gegensatz zu jener der Kleinbauern, die hauptsächlich in den Entwicklungsländer zu finden sind. Aufgrund deren Bildungsstandes ist es noch so, dass der primäre Sektor dort am stärksten ausgeprägt ist und sie von der Landwirtscht abhängig sind.
Auf dem Weltmarkt versuchen also die Kleinbauern möglichst billig ihre Ware zu verkaufen, um sie überhaupt noch loszuwerden. (Versucht mal als Kleinbauer gegen eine Industrie anzukommen.)
Aus diesem Massenanbau folgt ferner natürlich noch die Umweltzerstörung, aufgrund des hohen Einsatzes von giftigen Düngemitteln. Dazu kommen noch die Erkrankungen und Todesfälle in den Entwicklungsländern wegen jenen, weil die meist nur Geld für billige Düngemittel haben, die hier schon längst verboten worden sind wegen des Giftgehalts.
Da die Entwicklungsländer ihre Erzeugnisse exportieren müssen, sind die natürlich auf Importe aus den Industrieländern angewiesen, was logischerweise kaum bezahlbar für sie ist.

Ich denke, dass der „Teufelskreis“ offensichtlich ist. Die Industrieländer beuten die ärmeren Länder aus. Auch wenn mal ein Großkonzern Outsourcing betreibt und die Menschen aus den Entwicklungsländern für uns arbeiten dürfen, müssen sie dies zu einem extrem niedrigen Lohn tun und hier wird die Ware zu Preisen verkauft, die in keinem Verhältnis zu alledem steht.

Ferner sind die Entwicklungsländer von den Nahrungsmittelbelieferungen aus den Industrieländern so abhängig, weil sie sich viel schlechter als die USA und die EU vor den heruntersubventionierten Importen schützen können. (Man bedenke den dortigen Bildungsstand – Wissen ist tatsächlich Macht.)

Notwendig wäre eine Regulierung des Handels, die auf Ernährungssouveränität basiert, das heißt auf dem Recht, den eigenen Binnenmarkt zu schützen, um ökonomisch, sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten und genau das verhindert praktisch der Norden mit seinen „Ablass-Organisationen“! Wir glauben, dass wir den Ländern helfen, indem wir für sie spenden und Nahrungsmittel rüberschicken. Tatsächlich drängen wir sie somit eine Abhängigkeit!
Diese Länder müssen lernen, sich selbst zu helfen - dafür müssten wir spenden bzw. unsere Unterstützung bieten. Was die Länder brauchen, ist das notwendige Know-How.
Ein chinesisches Sprichwort besagt:

Gebe einem Hungernden einen Fisch und er wird einen Tag lang satt. Lehre einem Hungernden zu fischen und er wird nie mehr hungern.


Ferner sollte, meiner Meinung nach, der Norden seine Ernährungsgewohnheiten umändern bzgl. der Fleisch- und Milchprodukte, weil dafür Unmengen an Getreide benötigt werden. Hinzu kommt, dass Länder wie China unseren Lebensstil mittlerweile ebenfalls kopieren, wodurch die bestehenden Probleme nur verstärkt werden.
Wir brauchen nicht jeden Tag Fleisch; wir leben nicht mehr in den 50ern.



Dann hattest du angeprangert, dass unsere Gesellschaft so gefühlskalt sei und da komme ich wieder auf den Clip vom ZDF zu sprechen.
Wir bekommen immer nur kleine Einblicke. Wir sehen ein hungernden Kind, haben Mitleid, tuen kurz etwas, um unser Gewissen zu beruhigen und das war's. Wir werden nie wirklich emotional involviert, weil wir andere Dinge vor die Nase gesetzt bekommen, die uns viel mehr packen und fesseln.
Der Clip vom ZDF hat nicht gezeigt, wie wir Menschen selbst für all das Leid verantwortlich sind. Wir bekommen immer einen großen unnahbaren Sündenbock genannt, wodurch wir wieder eine gewisse Distanz zu alledem bekommen. Nie wird in den Medien der Mensch selbst und sein Verhalten angeprangert und ich denke, dass dort ein Problem liegt.
Es gibt noch viele andere Probleme, aber das werde ich in einem anderen Blogpost darlegen, der nach diesem hier erscheinen wird.


„P.S.: Wir sind längst im Paradies, haben die Hölle draus gemacht!“
Ich denke, weder noch. Ich glaube, dass es irgendein „Dazwischen“ ist, denn nicht alle Menschen laufen blind durch die Gegend und sehen die Probleme nicht. Es gibt Menschen da draußen, die für eine bessere und gerechtere Welt kämpfen und daran glauben und solange wir solche Menschen haben, die niemals ihre Hoffnung aufgeben und weiterkämpfen werden, ist diese Erde für mich noch keine Hölle. (:

Over and out.~


(*) Nachtrag zu Monsanto:
Was ich an diesem Konzern so hasse, ist, dass wegen ihnen manche Bauern nicht mehr ihre Ware verkaufen dürfen. Die genmanipulierten Pollen verbreiten sich natürlich über die Luft, wodurch ein Ökobauer z.B. plötzlich Monsantogetreide auf seinem Feld finden kann. Die Sache ist, dass Monsanto dann Anspruch auf dieses Getreide erhebt und der Ökobauer jenes nicht mehr als seine Ware verkaufen darf; so ist es schon in Amerika vorgekommen und da fragt man sich doch mal wieder, was diese Idiotie eigentlich soll.

1 Kommentar:

  1. "Der Clip vom ZDF hat nicht gezeigt, wie wir Menschen selbst für all das Leid verantwortlich sind. Wir bekommen immer einen großen unnahbaren Sündenbock genannt, wodurch wir wieder eine gewisse Distanz zu alledem bekommen."

    Als ich oben schon las ZDF wurde mir bereits schlecht, tatsachen verdrehung und Sündenbock suche sindt bei den öffentlich rechtlichen sowie bei den privaten eh an der Tagesordnung.

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