Szenenwechsel.

Ich bin im Bad. Im Spiegel erblicke ich die müden Augen, in denen man die Länge der Nacht erkennen kann. Das kalte Wasser spüre ich nicht. Plötzlich steht sie im Türrahmen. Sie spricht zu mir, doch ihre Lippen bewegen sich nicht. Aus der Dunkelheit tritt er neben ihr hevor. Auch er spricht zu mir.
Verschwinde...! 

Szenenwechsel.
Ich sitze auf dem Sofa im Wohnzimmer. Das Sofa ist mit einer grünen Decke bezogen. Ich hasse diese grüne Decke. Sie wärmt nicht und sieht einfach nur hässlich aus. Der Himmel ist grau und ich zerpflückte die Geranien, die neben mir auf der Fensterbank stehen. Ich hasse ihren Geruch.
Langsam blicke ich nach vorn; er sitzt mir gegenüber, blickt mich ein klein wenig nostalgisch an. Er fragt mich, ob wir weggehen wollen. Ein kleines, bitteres Lächeln huscht über sein Gesicht und ich werde ganz traurig.
Hast du denn vergessen, dass wir Lebenden die Toten nicht begleiten können...?

Szenenwechsel.
Ich befinde mich in ihrer Wohnung. Einst so bekannt - nun vollkommen fremd. Es ist so hell, dass ich nichts um mich herum erkennen kann. Ich sitze auf einem hellen Sofa. Unter meinen Fingern kann ich die grobe Struktur des Bezuges spüren. Es ist warm. In der Ferne läuft ein Fernseher. Links neben mir liegt buntes Papier, aus dem ich ein Spiel bastle. Ein Spiel, welches ich mit den Kindern spielen möchte. Acht soll ich auf sie geben. Ich sehe niemanden um mich herum, doch kann ich die Präsenz aller spüren. Die Kinder sind da, ihre Eltern auch. Plötzlich sehe ich sie, in der Küche. Er sitzt auf der Fensterbank und raucht eine Zigarette, schaut hinaus. Sie lehnt sich an den Küchentresen. Ihre Köpfe sind gesenkt, ihre Blicke verraten, dass sie von nun an getrennte Wege gehen wollen.   
Die Kleine verschwindet plötzlich und der Kleine spricht mich an, obwohl er eigentlich noch gar nicht sprechen kann. Er fragt, was ich dort tue und ich entgegne ihm, dass es ein Spiel für ihn und seine Schwester wird. Er blickt mich vorwurfsvoll an. Seine Augen verraten, dass er das nicht will. Dabei kann ich seine Augen garnicht sehen.
Ich werde es dennoch zuende basteln...

Szenenwechsel.
Ich stehe in einem dunklen, kalten Raum. In ihm steht ein großes Bett unter einer Dachschrägen. Es stehen diverse Kartons herum, Kinderspielzeug liegt auf der Kommode. Ich gehe einen Raum weiter, die ganze Wohnung ist dunkel und schimmert doch ein wenig bläulich. In der Ecke läuft ein Fernseher. Ich sehe kein Bild, nur dessen Licht. Ich höre keinen Ton, nur undefinierbare Geräusche. Ein großes Sofa ist in der Mitte des Raumes. Eine Frau lehnt an der Wand mit dem Rücken zu mir und ich frage sie, wo die Kinder sind. Ihr eigenes Kind liegt halb auf dem Sofa und guckt fern und ich frage mich, ob dessen Körper wirklich tot sei. Die Frau wirkt verwirrt und spricht leise zu mir; sie müsse die Kinder erst suchen. Verwirrt gehe ich weiter; um das Sofa herum und erblicke die beiden auf dem Boden. Mit großen, vorwurfsvollen Augen starren sie mich an, ihre Körper sind seltsam verdreht und dennoch wirkt alles normal, in sich stimmig. Was hast du nur getan?, flüstern sie.
Ich verstehe nicht...

Blackout.

Szenenwechsel.
Ich bin in meinem Zimmer, grauer Himmel. Ich stehe an der Fensterbank unter dem großen Fenster und öffne ein Buch. Vielleicht ein Fotoalbum? Die Seiten sind in Glas gefasst, darauf schwarz-weiße Bilder. Plötzlich erblicke ich eine seltsame Gestalt auf dem Glas. Ich drehe mich hastig um, doch erblicke ich niemanden. Ich will aus dem Zimmer laufen, die Tür ist direkt neben mir, doch plötzlich breche ich zusammen. Ein ganz schwerer Druck lastet auf mir, ich krümme mich zusammen, will aufstehen, doch schaffe es nicht und starre vor mich hin, in der Hoffnung zu sehen, wer das mit mir tat. Der Druck wird stärker, langsam verschwimmt alles vor meinen Augen, kann mich immer weniger bewegen. Leise hallen ihre Worte in meinem Kopf, dass sie mich doch gewarnt hätte.
Alles wird schwarz...

Es ist Abend geworden. Ich kann wieder aufstehen, verlasse hastig das Zimmer. Ich renne die beiden Treppen hinunter und begegne ihr im Flur. Sie sah apathisch aus, sprach ganz leis' zu mir. Was sie aber sagte, ich weiß nicht mehr, weil ich zwar zuhörte, aber dennoch hörte ich ihre Worte nicht. Ich lief aus dem Haus, auf die Straße, es war schon dunkel draußen. Nur die Straßenlaternen erfüllten Teile des Weges mit orangefarbenem Licht. Ich drehte mich mehrmals, suchte DEN Weg, den ich gehen sollte, aber ich fand ihn nicht. Ich lief einfach nach links los ohne zu wissen, wo mein Ziel ist.  
Ich lief einfach immer weiter durch die Dunkelheit der Nacht, der Wind wehte. Wieso fühlte ich die Kälte der Nacht nicht? Es blieb nur ein Gefühl; ich habe jemanden getötet.

Immer weiter laufe ich in die Dunkelheit und ich beginne, eine Gitarre zu hören, die langsam immer lauter wird und eine melancholische Melodie spielt.
Erwache...

Kommentare:

  1. Krasser Text gefällt mir so dermasen !!!
    1A !!
    mfg schnidzl

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  2. Sehr schöner, melancholischer Text.
    Freu mich auf mehr :)

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  3. hmm, gefällt mir... sehr schön.
    nur warum eine gitarre? (;

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