Man kommt ja nicht drum herum...

Um den Papstbesuch. Man interessiert sich nicht dafür, und dennoch bekommt man überall davon mit. Ich hab mir also eben ein paar Videos auf Youtube dazu angeschaut.

"Es ist wundervoll, wie friedvoll hier alle miteinander umgehen." (So in etwa der Wortlaut.)

Bedarf es erst solch eines Events, damit wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen? Können wir nicht einfach nur nett miteinander umgehen? Abgesehen davon; ist dann im Stadion alles nett und danach hassen sich wieder alle?
Ich selbst bin ja auch getauft und katholisch erzogen worden, bis ich entsprechend rebelliert habe und meine Mutter dann merkten, dass es nichts bringt, mich weiterhin in die Kirche zu schleppen.
Was mich damals schon immer in der Kirche, war folgendes 'Ritual':
Der...Pfarrer? Priester? beendete den Gottesdienst und redete irgendwas davon, dass der Frieden mit uns sein möge und plötzlich fingen alle sich die Hände zu schüttel und jedem ehrwürdig den Frieden zu wünschen.
Sobald man aber die Kirche verlassen hatte, wurde man nicht mal mehr mit dem Allerwertesten von den Leuten angeguckt.
Muss ich das verstehen? Ich fand's irgendwie immer belustigend, wie mein Vater sich immer in eine Ecke der Kirche setzte, damit ihm niemand die Hände schüttelt; weil ihm das einfach zu dämlich, vor allem zu heuchlerisch war; verständlicherweise.
Ich verstehe einfach nicht, warum wir einen 'höhren' Grund brauchen, um nett zueinander zu sein. Abgesehen davon - warum sollte ich vollkommen fremden Menschen den Frieden wünschen? Gut, ich kann alle Menschen lieben oder sie können mir auch relativ egal sein und ich stehe ihnen einfach neutral gegenüber, aber dieses "Wir lieben uns ja alle, weil wir fromme Christen sind, aber solltest du Hilfe brauchen, bekommst du meine nicht." finde ich einfach nur lachhaft.
Es sind natürlich nicht alle so. Ich habe auch nichts gegen Christen oder anderen Gläubigen, weil ich einfach schon oft genug gesehen habe, wie heilsam Religion für manche Menschen sein kann.
Ich finde es aber auch nicht gut, dass der Papst wohl die ganzen Missbrauchsfälle lieber totschweigt, als mal richtig Stellung dazu zu beziehen. Aber das ist wohl das selbe wie mit der Verhütung u.ä. (?). Als der Papst mal in Polen war, mussten alle Tampon-Werbungen im Land entfernt werden.
- Eh...hallo? Was bitte? Steht in der Bibel geschrieben, dass der Tampon des Teufels Werk ist und somit nicht benutzt werden darf?
Die Mädels, die im Video so begeistert von der Messe waren, benutzen bestimmt Tampons! Klingt jetzt vielleicht nach einer Unterstellung, aber alle Mädels, die das hier lesen, werden verstehen, warum ich dies schreibe. (;


"Es gibt keine andere als die Kirche, denk ich mir mal, trotz vieler Probleme, die doch die Menschheit zusammenhalten kann in diesen schwierigen Zeiten. Und deshalb sollte man als Gläubiger auch etwas hier mitnehmen."
Die Kirche hält die Menschheit zusammen? In diesen schwierigen Zeiten? Wo immer noch Glaubenskriege ausgefochten werden? Wo ich zu hören bekomme, dass Kinder Angst haben, sich zu ihrem Glauben in der Schule zu bekennen, weil sie ausgegrenzt werden könnten?

Was ich auch nicht verstehe - warum müssen wohl unsere Politiker bei der Messe anwesend sein? Religion und Politik sollen doch getrennt werden, oder sind es bei uns alles Gläubige?
Es wäre schön zu sehen, wie sich mal Westerwelle und der Papst sich mal die Hände schütteln würden; und zwar ehrlich.
Ich verstehe auch nicht, was so schlimm an Homosexualität sein soll.

Und wieso durfte er eine Rede im Bundestag halten? Nochmal: Kirche und Politik sollten doch eigentlich streng getrennt werden, oder nicht? Gibt es nicht sowas wie eine Religionsfreiheit? Und ich glaube nicht, dass ein Oberhaupt des Islams im Bundestag eine Rede halten dürfte. Man kann das ganze natürlich so legitimieren, dass der alte Herr dort seine Rede als Staatsoberhaupt von Vatikanstadt hielt. Wenn dem so war - wie viele würden es aber tatsächlich so auffassen?

Auf die Finanzierung des ganzen Spektakels will ich gar nicht mehr weiter eingehen; nur eins - es wäre nur gerecht, wenn nur diejenigen dafür zahlen, die wirklich gläubig sind und den Papst auch sehen wollen, aber was generell teilweise mit dem Finanzen auf der Welt los ist...

Irgendwie ist die Kirche ein nicht begreifbares Phänomen... vielleicht wäre der Fall was für Jonathan Frakes. Er könnte vielleicht mal die meisten Menschen darüber aufklären, dass Weihnachten auch gar kein christliches Fest ist, sondern eigentlich die Wintersonnenwende gefeiert wurde. Aber gut, es ist ja auch kaum noch ein christliches Fest. Eher das Fest des Kapitelismus.
Damals waren Feste noch magisch...

Aber wie gesagt - es ist auch nicht alles schlecht, was die Christen tun, und weil es welche gibt, die Kinder missbraucht haben, muss man nicht gleich eine ganze Religion schlecht reden, oder sind jetzt alle Islamisten Selbstmordattentäter? Ich denke nicht.



Jap, das Lied ist von einer christlichen Band - ich finde es trotzdem schön.

Kommentare:

  1. Ich persönlich trenne Kirche und Religion strikt. Die Kirche ist für mich nichts weiter als ein Unternehmen, mit dem Ziel Geld zu erwirtschaften. Wie jedes andere Unternehmen eben auch. Nebenbei bemerkt das Unternemen mit dem besten Marketing aller Zeiten. Ich meine, die Kirche verkauft seit 2000 Jahren mit sehr großem Erfolg etwas, was noch kein Mensch gesehen hat. Das muß man auch erst mal schaffen. Das fängt schon mit der Taufe an. Man schließt quasi damit einen Mitgliedsvertrag mit einem Unternehmen ab, in einem Alter, in dem man eigentlich vor dem Gesetz noch gar nicht Vertragsfähig ist. In der freien Wirtschaft würde man sowas als "Kundenbindung" bezeichnen. Oder die berühmten "Ablassbriefe" im Mittelalter. "Das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt." Was für ein genialer Werbeslogan. ;)

    Ich selber gehöre keiner Kirche bzw. Glaubensgemeinschaft mehr an und habe meine eigenen Schlüsse gezogen hinsichtlich der Frage ob es Gott gibt, ein höheres Wesen, whatever. Ich kam zu dem Ergebnis, daß es da etwas geben muß bzw. es spricht zumindest vieles dafür. Wie ich dazu kam wäre zu komplex um es jetzt auszuführen. Was ich sagen will ist letztlich, ich muß nicht in einem Fußballverein sein, wenn ich Fußball spielen will. ;)

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  2. Glaube an etwas, an sich selbst, ist gut, für sich allein, für dich allein, Religion dagegen ist schlecht und kann niemals wirklich funktionieren. Oder wie Hagen Rether sagen würde: "Das Prinzip von Gott, das versteht doch niemand. Das ist höchstens etwas für den Stammtisch, so abends bei Zigarre und Whisky". So oder so ähnlich.^^

    Und klar sollten Politik und Religion getrennt sein, ich sehs aber nicht so eng, denn mich tangiert das so oder so herzlich wenig. Ich verstehe nicht weshalb man einen "Vertreter Gottes" überhaupt ernst nehmen kann.

    Was ich zum Papstbesuch noch zu sagen hatte (Als Statusnachricht in ner Community):

    "Am Wochenende gibts für billig Geld Selig- und Heiligsprechungen in Freiburg, vom Papst persönlich. Da heißts dann: "Pssst..an ner Seligsprechung interessiert? Heute billiger, denn Gott ist ganz nah bei uns."
    Und die Gehirnwäsche ist gratis."

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  3. Ich muss dir vollkommen zustimmen :)
    Zufälligerweise habe ich mich gestern Abend mit meinen Vater und seiner Freundin darüber unterhalten da wir einfach auf dieses Thema kamen.
    Meine Meinung zu den Missbrauchfällen wäre.
    Warum lasse sie einfach nicht die "armen" Kerle heiraten? Es liegt einfach in unserer Natur das wir sexuelle Bedürfnisse haben. Dann kerken sie diese Leute ein und wundern sich warum sie dann Kinder missbrauchen? :(
    Mir tun die ganzen Leute leid. Die Opfer sowie die Täter.
    Da würde ich ehrlicher weise zu den Evangelisten gehen.
    Das der Papst es totschweigt finde ich auch nicht okay. Erst schweigt er und entschuldigte sich dann. Für was? Kam das nicht allmählich zu spät?

    Jesus sagte einmal in der Bibel: "Baut kein Haus aus Holz und Stein - Ich werde überall sein." :)
    Und um bei Gott nahe zu sein müssen wir in eine Kirche. Die aus Holz und Stein gebaut ist.

    Ein netter Blogpost .. er regt zum Nachdenken an :)

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  4. @Ishannah:

    "Warum lassen sie einfach nicht die "armen" Kerle heiraten?"

    Zumal ja schon in der Bibel steht:"Gehet hin und mehret Euch." Also müssten doch eigentlich logischerweise Priester die ersten sein, die heiraten dürfen und Kinder kriegen. Schließlich sind sie es, die am getreusten nach dem Wort Gottes zu leben haben. Mir sind die Evangelisten auch wesentlich sympathischer. Deren Vorgaben sind nicht so......lebensfremd.

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