Er schreibt keine Hollywood-Drehbücher

Und darüber bin ich auch sehr froh. Sebastian Fitzek ist wohl nun einer der bekanntesten deutschen Autoren in der Psychothriller-Szene und gestern habe ich endlich Der Augenjäger zuende gelesen.

SPOILER!

Das Buch fand ich besser als seinen Vorgänger, Der Augensammler, doch kommt nichts an Der Seelenbrecher ran; vielleicht weil mich das Buch damals zu sehr beeindruckte.
Der Augenjäger ist definitiv gut geschrieben und las sich für mich sehr, sehr flüssig und das selbst bei totaler Übermüdung in tiefster Nacht. Man merkt, dass die Romane von Fitzek immer mehr familienbezogener werden, was wahrscheinlich aus seiner familiären Situation herrührt; soweit ich weiß, ist er seit ein paar Tagen nun zweifacher Vater. Doch wirkte es so, als sei die physische Gewalt ein sehr, sehr wichtiger Faktor, was ich irgendwie sehr bedauer. Die wirklich heftigen Vorgänge werden nur leicht angedeutet, wie das Entfernen der Augenlieder beispielsweise. Aber sowas macht ein Buch für mich nicht sonderlich interessant, denn was ich am Seelenbrecher so liebte, war die psychische Gewalt.
Natürlich ist sie in diesem Buch auch vorhanden; die 'Opfer' begingen alle nach dem Entfernen der Augenlider und der Vergewaltigung Selbstmord. Aber ich finde, dass da Fitzek mit Ängsten gespielt hat, die zu weit entfernt sind, weil man sich einfach zu schlecht vorstellen kann, wie sich sowas anfühlt. Wo hingegen in Der Seelenbrecher die Opfer ihren eigenen Alpträumen für immer ausgesetzt waren; er schrieb es so, dass es jeder auf sich wirklich beziehen konnte. Was die Empathie mit den 'Opfern' in Der Augenjäger ebenfalls in weite Ferne rücken lies, waren die 'Opfer' an sich. Alle waren sie Missbrauchs- oder Belästigungsopfer und haben über ihre Vorfälle geschwiegen, sodass der Täter weiterhin auf freiem Fuß war, sodass er auch andere Frauen missbrauchen konnte. Suker, der Augenchirurg, war der Ansicht, dass diese 'Opfer' Schuld an den anderen hätten und ihnen die Augen öffnen müsse, damit sie ihre Schuld sehen können. Meines Erachtens nach vollkommen irrational und inkonsequent, denn wenn er bei den ersten Opfern in der Kausalitätskette beginnen will, muss er bei einem Kettenglied zuvor beginnen - dem Täter, denn ohne ihn wäre doch erst gar nichts geschehen. Und diese Irrationalität und Inkonsequenz nehmen mir abermals den Thrill; ich empfinde es gar nicht als so erschreckend, dass manche einfach so beschränkt sind, und nicht weiter über den Tellerrand gucken. Viel erschreckender wäre es, könnte Fitzek etwas darlegen,was jeder als vollkommen rational, sinnvoll erachten würde. Aber vielleicht erwarte ich da zu viel?
Ich will auch nicht alles schlecht reden. Denn neben dieser physischen Gewalt gab es noch den Handlungsstrang mit Zorbach, dem Protagonisten aus dem ersten Teil und das war, meines Erachtens nach, sehr gut gelungen. Die Idee, ihm im Glauben zu lassen, dass sein Sohn tot sei, wobei dem nicht so war, war schon ganz gut. Noch besser gefiel es mir, dass Zorbach glaubte, dass ein gewisser Frank sowohl der Augensammler sei, als auch seinen Sohn tötete, wobei dieser Frank die ganze Zeit seinen Sohn so gut es ging beschützte und vollkommen unschuldig war. Dennoch hatte Zorbach ihn getötet, weil er nicht alle Fakten kannte und sie erst ganz am Ende von Scholle, einem Polizisten, dem er einst vertraute, dargelegt bekam. Scholle hatte alles so beeinflusst, dass Zorbach für immer mit einer unglaublichen Schuld zu leben hat - er hat den Tod Franks zu verantworten und somit auch die eine sehr wichtige Bezugsperson seines Sohnes getötet. Nach all den Vorfälle hatte Zorbach eigentlich niemanden mehr; zwar lebte sein Sohn noch bei ihm, aber sprach so gut wie gar nicht mit ihm. Ignoriert zu werden, von den Menschen gemieden zu werden, die man liebt, muss wirklich grausam sein.

Alles im Allen war der Roman schon ziemlich gut. Ich würde ihn aber nur in Verbindung mit Der Augensammler empfehlen, wobei man nicht die Vorkenntnisse braucht, um das Buch verstehen zu können.
Die Zeit wird zeigen, wie Fitzek sich weiterentwickeln wird. Vorerst freue ich mich jedoch auf die Verfilmung seines Buches Das Kind. Ich halte nicht viel von Buchverfilmungen, wobei mir der Film Durchgeknallt - Girl, Interrupted besser gefiel als das dazugehörige Buch.

Gibt es unter euch Fitzek-Leser? Und falls ja; welcher Roman von ihm gefiel euch am besten und warum?

Fragen & Antworten

Ich bin wieder getagged worden; dieses Mal von Tombraiderplayer89.

1. Wie bist du auf deinen Namen gekommen?
Ich mag einfach Kirschblüten und habe das Noire davor gesetzt, weil ich die französische Sprache so sehr mag und ich mir dachte, dass dies ein schöner Kontrast zur eigentlichen Kirschblütenfarbe sein könnte.

2. Was ist dein absolutes Hassgame?
Ehrlich gesagt, habe ich da keins. Wenn mir ein Spiel nicht gefällt, lege ich es weg und spiele es auch nicht; richtiger Hass kann da nicht aufkommen.
Es ist zwar nicht das selbe, aber von Tomb Raider - Angel of Darkness und Amnesia - The Dark Descent war ich sehr enttäuscht.

3. Was ist das Geheimnis deines Erfolges?
Es ist und bleibt ein Rätsel, selbst für mich.

4. Dein Lieblingsessen ist...?
Frühlingsrollen evtl.?

5. Wer ist dein Lieblings-LPer?
Im deutschsprachigen Raum: Marko (TailsGaming) und FlintSimpson
Im englischsprachigen Raum: Toby 'Tobuscus' Turner

Danke an Tombraiderplayer89 für's Taggen! (: